Forschungswerkstatt Kritische Geographie

Vom 1. bis zum 4. Mai 2014 fand in St. Pauli-Süd die Forschungswerkstatt Kritische Geographie statt. Sie wurde vom Arbeitskreis kritische Geographie und StudentInnen der Universität Hamburg organisiert. Die Umgebung war perfekt geeignet um die anregende Atmosphäre für spannende Diskussionen zu bieten.

Am Donnerstag fand eine informative Einführung statt, um neuen kritischen GeographInnen die Möglichkeit zu geben, mit dem Thema vertraut zu werden. Außerdem gab es natürlich unmengen Möglichkeiten sich in Hamburg am 1. Mai gleich direkt zu engagieren.

Der Freitag bot mit zwei interessanten, theoretischen Vorträgen zum Thema des State-Making in der EU (Katharina Bodirsky) und den Widerstandsformen zur Volkszählung 1987 (Matthew Hannah) Einblicke in aktuelle kritische Forschungen.

Nach einer Pause war dann am Nachmittag Platz für eigene Themen, unter anderem der spannenden Diskussion zur geplanten Doktorarbeit von Fabian Brettel über die irreführende Kategorie „Kleinstadt“. Die TeilnehmerInnen erfuhren nicht nur vom grundlegenden Aufbau einer Doktorarbeit, sondern konnten sich auch aktiv mit Ideen beteiligen.

Der Samstag war dann in vier verschiedene Themenstränge aufgeteilt: gesellschaftliche Naturverhältnisse (Politische Ökologie, Monetarisierung von Ökosystemdienstleistungen), Postkoloniale Stadtforschung, Post-kapitalistische Politiken und Europäische Austeritätspolitiken (Sparpolitiken). Am Morgen wurde der theoretische Hintergrund beleuchtet, der sich bei den gesellschaftlichen Naturverhältnissen stark um die Wahrnehmung des Begriffes „Natur“ drehte. Eine 'stille Diskussion' zeigt, dass viele verschiedene Assoziationen mit dem Begriff verknüpft sind, was sich auch im Bild des Verhältnisses zwischen „Gesellschaft“ und „Natur“ niederschlägt. Dies zeigt sich auch im Verständnis von „Natur“ im Gegensatz zum Menschen, das laut einer Theorie von DESCOLA, auch andere Auffassungen als den Naturalismus (Mensch und Natur sind äußerlich ähnlich und unterscheiden sich nur durch 'Dinge' wie Seele) haben kann.

Nach einer Thematischen Exkursion durch Hamburg wendeten wir dieses Wissen an, um eine umfangreiche Kritik an der Monetarisierung von Ökosystemdienstleistungen (d.h. dem Zuweisen eines Wertes in €$... zu Natur z.B. einem Waldstück aufgrund seiner Leistungen für die Gesellschaft) zu diskutieren. Dabei kamen unter anderem ethische, methodische und kapitalismuskritische Fragen zur Sprache. Auch wenn uns keine Zeit für eine Betrachtung eines praktischen Beispiels oder eine umfangreiche Diskussion der Vorteile blieb, war dieser Workshopteil besonders informativ und beeindrucken, auch für unerfahrenere TeilnehmerInnen.

Weitere Nachlesen, Informationen und neues zum AK kritische Geographie können bald in der Feministischen GeoRundMail, vielleicht im Rundbrief Geographie und sicher auf der Seite www.kritischegeographie.de gelesen werden.

Zum Schluss geht noch ein großer Dank an die OrganisatorInnen und ReferentInnen, die VerpflegerInnen aus einer lokalen Antifa und die GWA St. Pauli die uns im Zusammenspiel eine anregende Forschungswerkstatt ermöglichten.

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