Nachlese

"Das Web 2.0 besteht nicht nur aus sozialen Medien. In Open Street Maps können Nutzer selbst kartieren und dadurch indirekt humanitäre Hilfe leisten. Wie das geht hat Veronika Schweighoferová ausprobiert" und in einem lesenswerten Artikel in der FURIOS beschrieben, aber auch wir lassen uns nicht lumpen eine kleine Nachlese zu betreiben.

Freitag, 28 November 2014 15:16 Uhr
Part of Nationale 2, main road in Beni, Nord Kivu (DR Congo). At the back, on the left side of the road, Hotel Beni. Part of Nationale 2, main road in Beni, Nord Kivu (DR Congo). At the back, on the left side of the road, Hotel Beni. CC BY-SA 3.0 Uploaded by Razdagger 25.Nov2007

Am 17. November luden wir zum zweiten Mal ein zum Mapathon in Lankwitz. Das heißt in gemütlicher Athmosphäre wollten wir euch OpenStreetMap und Crowdsourced Crisis Mapping in der Praxis näher bringen. Ca. 20 Studierende folgten unserer Einladung und so kartierten wir zu westafrikanischer Musik bei Tee, Kaffee oder Bier die Stadt Beni. Dazu luden wir im Editor JOSM die passenden BING-Satellitenbilder ein und klickten was das Zeug hielt. Dabei gibt es natürlich das Problem, dass wir keine Ahnung von zentralafrikanischer Architektur haben und die Grundwahrheit nicht kennen.

Das schöne am HOT-Task-Manager ist, dass er Quadrate anbietet, die fertig geklickt werden können. Das schafft so etwas wie ein sportliches Ziel. Am Ende haben wir übrigens ca. 13% der Stadtfläche kartiert. Das heißt, wir haben bestimmt, was für uns Straßen und Gebäude sind. Wir hätten sicher noch länge rund mehr geklickt, aber es gibt die sinnlose Anweisung, arbeitende Studis um 19 Uhr aus den CIP-Pools zu scheuchen. Damit dieser dann leer steht. Hurra. Nun gut, so waren wir leider gezwungen als kleinere Gruppe noch ein paar Bier zu trinken, denn es war ja noch früh. Die Verwaltung ist schuld, dass wir zu TrinkerInnen werden... ;)

MapathonStats

Aber was haben wir da eigentlich geklickt?

Die Stadt Beni liegt im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo, nahe der Grenze zu Uganda. Die Wahl auf diesen Ort fiel zufällig nach der Dringlichkeitseinschätzung des HOT (Humanitarian OSM Team) TaskManagers. Sie hat ca. 100.000 Einwohner und liegt in der Provinz Nord-Kivu. Das Bild zum Artikel zeigt die Fernverkehrsstraßen, die Beno mit der Provinzhauptstadt Goma verbindet. Dort befindet sich das Dreiländereck Uganda, Ruanda, DR Kongo (früher Zaire). Die Grenzregion zu Ruanda war seit den 90er Jahren wiederholt Schauplatz von Kriegen, die in Zusammenhang mit dem Völkermord in Ruanda stehen. Der letzte und dritte dieser Kriege endete 2009. In Beni sind UN-Truppen aus Indien, Nepal und Jordanien stationiert, die der 21.000 Menschen starken UN-Mission MONUSCO angehören. Trotzdessen kam es im Oktober zu erneuten Massakern, bei denen in und um Beni über 100 Menschen umkamen. Wer dafür verantwortlich ist, kann aus westlichen Medien und mit Hintergrundwissen, das nur aus Wikipedia-Artikeln besteht, nicht geklärt werden.

Für wen haben wir nun diese Karte gemacht?

Die UN scheint selbst Kriegspartei zu sein, da sie mit den Regierungstruppen zusammen die sogenannten Rebellengruppen angreift. Im Arbeitsauftrag von HOT heißt es nur: "Making Beni map more accurate will provide a better support for the next field surveys." Wer macht diese Surveys? Hoffen wir, dass es verantwortungsbewusste Organisationen sind. Unsere Daten sind nun kostenlos von allen Menschen (die die technischen Möglichkeiten haben) benutzbar. Auch für die, die wir nicht unterstützen möchten. Aber machen wir uns nichts vor, die Kriegsparteien haben sowieso Karten.

Es lohnt sich, sich immer wieder mit dem eigenen Tun, selbst wenn es gut gemeint ist, auseinander zu setzen. Ich empfehle den Artikel "Bittner et al (2011): Krisen- und Konflikt-Karten im Web 2.0. Ein kritischer Blick auf die neuen Krisen- und Konfliktkarten." aus der geographischen Rundschau und weitere Publikationen dieser Arbeitsgruppe der Uni Erlangen.

Letzte Änderung am 28.11.2014 15:16 Uhr
Teilen

Schreibe einen Kommentar

Achten Sie darauf, die erforderlichen Informationen einzugeben (mit Stern * gekennzeichnet).
HTML-Code ist nicht erlaubt.